Die Herkunft und die Geschichte des Tees

Allein im Jahr 2019 wurden weltweit rund 6,5 Millionen Tonnen Tee produziert. Tee ist mittlerweile ein fester Bestandteil des europäischen Alltags, sodass wir oft vergessen, dass der Grundstein der Teekultur eigentlich in China liegt. Die Geschichte des Tees und seiner Herkunft ist so fesselnd und bewegend, dass wir dir in diesem Beitrag ausführlich die Geschichte seines Ursprungs und die Entwicklung der Teekultur in den folgenden Jahrhunderten vorstellen möchten.

In diesem Beitrag erfährst du, wie Tee als Getränk entdeckt wurde, er nach Europa und die USA exportiert wurde und seinen rasanten Aufschwung erlebte, als er in Indien kultiviert und von der British East India Company im großen Stil nach Großbritannien importiert wurde. Außerdem erklären wir dir, welche Rolle Schwarztee und die Erfindung der Teebeutel auf dem Weg zu seiner heutigen Popularität spielen.

Die Geschichte des Tees ist eine spannende Geschichte erster internationaler Handelsgeschäfte, dem Entdecken einer täglichen Auszeit bei der Tea Time, aber auch von Schiffswettrennen, Schmuggel und Fälschungen.

Der Ursprung: Die Geburt des Tees in China

Die Herkunft des Tees reicht weiter zurück als im europäischen Gedächtnis oft angenommen wird. Der Genuss von Tee hat eine deutlich längere Geschichte als die Kultivierung des Ostfriesentees oder des britischen High Teas.

Der Legende nach saß der chinesische Kaiser Shen Nung um 2750 v. Chr. unter einem Teebaum als sein Wasser kochte, um unbedenklich verzehrt werden zu können, als der Wind einige Blätter des Teebaums in sein Wasser wehte. Shen Nung übersah dieser Legende nach die Färbung des Wassers, die es durch die Teeblätter angenommen hatte und kostete den Tee. Das Ergebnis schmeckte ihm vorzüglich und so wurde die Camellia sinensis, die Teepflanze, als wohltuende Pflanze entdeckt und der Konsum von Tee in China verbreitet und beliebt. Das Ergebnis des Aufeinandertreffens von gekochtem Wasser und ihren Blättern ist das, was heute – fast 5000 Jahre später – weltweit als Tee bekannt ist.

Zu Beginn des Teekonsums wurde dieser eher als medizinisches Getränk, denn als Genussmittel getrunken. So wurden die Teeblätter für mehrere in Minuten in kochendes Wasser gegeben. In der Folge entstand ein sehr bitterer Tee, der geschmacklich wenig mit dem feinen Geschmack von Grüntee gemein hat, wie wir ihn heute zubereiten.

So ist es wenig verwunderlich, dass es mehr als 3000 Jahre dauerte bis Tee sich im gesamten chinesischen Reich zu einem beliebten Getränk entwickelt hatte. Der deutlichste Hinweis auf seine Popularität während der Tang-Dynastie (600-900 n. Chr.) ist, dass während dieser eine Steuer auf Tee erhoben wurde. Tee wurde nun nicht mehr nur als Medizin konsumiert, sondern als alltägliches Genussmittel zur Erfrischung getrunken. Teeplantagen begannen sich über ganz China auszubreiten und elegante sowie kostspielige Teeaccessoires wurden zu beliebten Statussymbolen. Während der Ming-Dynastie (1368-1644) begann man Grüntee gedämpft und getrocknet zu trinken, mit dieser Art der Verarbeitung war Tee jedoch nicht sehr lange haltbar und nicht optimal für längeren Transport geeignet. Um ihre Ernte vor dem Verderben zu bewahren, begannen die Teefarmer die Teeblätter zu rösten. Die Blätter, die an der Luft oxidierten, ergaben Schwarzen Tee, der in China gemeinhin Roter Tee genannt wird. Damals wie heute wird dieser Rote Tee zum Großteil exportiert, denn in China wird bevorzugt der einheimische grüne Tee getrunken.

Der Weg des Tees von China nach Japan

Tee wurde erstmals von buddhistischen Mönchen, die bereits seinen ritualen Charakter zu schätzen wussten, in Japan eingeführt.
Belegen lässt sich diese Annahme kaum, allerdings ist sicher, dass der Genuss von Tee in China bereits viele Jahrhunderte, bevor der Westen diesen für sich entdeckte, bekannt war.

In Gräbern aus der Han-Dynastie, die von 206 v. Chr. – 220 n. Chr. andauerte, wurden bereits Behälter für Tee gefunden und in der Tang-Dynastie (618 n. Chr. -906 n. Chr.) wurde Tee offiziell zum Nationalgetränk Chinas gekürt. Tee wurde so beliebt, dass der Autor Lu Yu Ende des 8. Jahrhunderts das erste Buch verfasste, das ausschließlich Tee zum Inhalt hatte. Der Legende nach wurde Tee kurz darauf von buddhistischen Mönchen, die zum Studieren nach China reisten, nach ihrer Rückkehr in Japan eingeführt. Das Teetrinken wurde zu einem elementaren Bestandteil japanischer Kultur, wie etwa die liebevolle und komplexe Entwicklung der Teezeremonie belegt, die ihren Ursprung in den Niederschriften Lu Yus Tee-Klassikers Ch’a Ching hat.

Die wachsende Beliebtheit von Tee in Europa

Wenn wir also die Geschichte des Tees von einem übergeordneten, nicht europäisch-zentriertem Standpunkt aus, betrachten, lässt sich schnell feststellen, dass Europa beim Teegenuss lange Zeit hinterhergehinkt ist.

Die ersten Erwähnungen von Tee finden sich in Europa erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese stammen von reisefreudigen Portugiesen, die als Händler und Missionare tätig waren, den interkontinentalen Teehandel brachten jedoch die Niederländer ins Rollen, die zu dieser Zeit begannen, an die portugiesischen Handelsrouten anzudocken. Im Jahr 1606 wurde sodann die erste Teelieferung von von China nach Holland verschifft. Tee gewann in den Niederlanden rasch an Popularität, blieb aber aufgrund seiner hohen Preises zu dieser Zeit ein Getränk, das den Wohlhabenden vorbehalten war.

Um 1650 wurde Tee von den Niederländern in Großbritannien eingefüht, womit der Startschuss für das Image der Briten als Teetrinker-Nation gefallen sein dürfte. Im Jahr 1664 verzeichnete die britische East India Company die erste Bestellung von Tee mit direktem Ziel Großbritannien. 100 Pfund chinesischen Tees sollten von Java aus nach Europa geordert werden.

Mit der Heirat von Karl II. mit Katharina von Breganza erlebte Tee, der mittlerweile günstiger aus indischen Kolonien importiert wurde, einen Aufschwung in Europa. Katharina war sowohl portugiesche Prinzessin als auch bekennender Tee-Fan und mit ihrer Vermählung nahm die Popularität von Tee in der Bevölkerung enorm zu. Durch die Kolonialisierung Indiens und der dortigen Kultivierung der Teepflanze konnte dieser deutlich günstiger importiert und alsbald auch von Menschen genossen werden, die nicht dem Adel oder sonstigen extrem wohlhabenden Häusern angehören.

Tee-Schmuggel und Tee-Steuer

In Europa hält die Begeisterung für Tee bis heute an. Tee wurde zu einer beliebten Alternative und Ersatz für Kaffee in Kaffeehäusern und zu Hause, da er sich wesentlich einfacher in hoher Qualität zubereiten lässt solange man eine feine Tee-Mischung und gekochtes Wasser zur Hand hat. Die Kaffeehäuser waren lange Zeit nur Männern vorbehalten, Frauen tranken ihren Tee ohne große Gesellschaft zu genießen in den eigenen vier Wänden. Wobei hierbei die Oberschicht gemeint ist, für die Arbeiterklasse war Tee lange Zeit unerschwinglich, da er enorm hoch besteuert wurde.

Aufgrund der hohen Zölle für Tee entwickelte sich in Großbritannien ein florierender Schwarzmarkt. Zu Hochzeiten wurde auf diesem jährlich Tee im Wert von 7 Millionen Pfund gehandelt, während auf dem legalen Wege lediglich Tee für 5 Millionen Pfund eingeführt wurde. Aufgrund fehlender staatlichen Kontrollen war die Qualität des auf dem Schwarzmarkt gehandelten Tees oftmals verfälscht und sogar gesundheitsgefährdend. So fanden sich im Tee Blätter anderer Pflanzen oder bereits aufgebrühte Teeblätter – die, um farblich unauffällig zu wirken, mit Schafsmist oder Kupferkarbonat gefärbt wurden.

Im Jahr 1784 senkte der britische Premier William Pitt die Teesteuer von 119 % auf 12,5 % und brachte somit nach etwa 100 Jahren den Schwarzmarkt schlagartig zum Erliegen und machte echten Tee in guter Qualität so auch für die Arbeiterklasse erschwinglich.

Die Geschichte des Tees im 18. Jahrhundert war geprägt von Diskussionen um steuerlichen und gesundheitliche Aspekte. Der Stand wissenschaftlicher Forschung war zu dieser Zeit noch weit von unserem heutigen entfernt. Während Tee heutzutage oftmals im Zusammenhang gesundheitlicher Vorteile diskutiert wird, so sorgte sich die wohlhabende Schicht damals mehr um die Arbeitskraft ihrer Arbeiter, die durch übermäßigen Teekonsum abnehmen könnte. Während im 19. Jahrhundert die Abstinenzbewegung erstärkte, erkannte man, dass Tee, der auf den Treffen der Abstinenzlern ausgegeben wurde, ein hervorragender Ersatz für Alkohol ist. Damit war die öffentliche Diskussion um seine gesundheitlich negativen Auswirkungen (tatsächlich sorgte man sich mehr um Arbeitskraft um Umsätze als die Gesundheit der Arbeiterklasse) erst einmal beendet und Tee konnte sich weiterhin ungehindert durch alle Schichten seinen Weg als beliebtes Getränk bahnen.

Anstieg von Teekonsum und -handel im 19. Jahrhundert

Den nächsten großen Sprung in seiner Popularität erlebte Tee als die East India Company aufhörte den gesamten Tee aus China zu beziehen und zusätzlich begann in der Region Assam in Indien die Teepflanze zu kultivieren. Im Jahr 1839 war diese Initiative bereit für den europäischen Markt und es fand die erste Versteigerung von Tee aus Assam in Großbritannieen statt. Diese äußerst erfolgreiche Unternehmung wurde in den folgenden Jahren verstärkt ausgebaut, sodass im Jahre 1888 die Teeimporte aus Indien erstmals die Importe aus China übertrafen.

In der gehobenen britischen Gesellschaft wurde das Teetrinken im 19. Jahrhundert zu einem wesentlichen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. So gab es zu zahlreichen Gelegenheiten Teeparties, Familientees, Picknicktees oder den Nachmittagstee. Dieser Afternoon Tea geht auf Anna, die 7. Herzogin von Bedford zurück, die begann ihre Freunde zum Nachmittagstee einzuladen, um den Hunger zwischen Frühstück und spätem Abendessen zu überbrücken.

Der nach High Society und Adel klingende High Tea hingegen ist ein Brauch der Arbeiterklasse aus dem 19. Jahrhundert. Er wird abends gegen 18 Uhr serviert und beinhaltet neben Tee eine vollwertige Mahlzeit mit Brot, Fleisch, Käse und eben auch Kuchen.

Tee hielt auch literarisch Einzug in den Alltag und so gab es eine Reihe von Koch- und Benimmbüchern, die sich mit der Zubereitung, aber auch vor allem dem drumherum wie der richtigen Kleidung, der Einladung, dem Servieren und der Frage nach dem richtigen Teegeschirr beschäftigten.

Die Rennen der Teeklipper

In den 1860er Jahren kam es zum Phänomen der Teeklipper-Rennen, die stets darum wetteiferten, wer den Tee am schnellsten von Indien nach Großbritannien verschifft. Die Teeklipper waren kleiner, schneller und windschnittiger als bisher genutzte Schiffe und brachten es auf eine Geschwindigkeit von 15 bis 20 Knoten.

Seit 1856 wurde in jedem Jahr eine Prämie an das erste mit Tee beladene Schiff, das aus China in London eintrifft, eine Prämie ausgezahlt. Neben dieser Prämie war die hohe Geschwindkeit der Überfahrt nützlich, um die eigene Ladung schnellstmöglich in Großbritannien in die Auktion zu bringen und zurückzusegeln, um in möglichst kurzen Zyklen die nächste Ladung Tee nach London zu verschiffen. Die Dauer der Überfahrten lag bei 99-101 Tagen und führte die Teeklipper über das Chinesische Meer, den Indischen Ozean, das Kap der Guten Hoffnung, den Atlantik und schließlich an den Azoren vorbei in den Ärmelkanal. Auf diesem wurden die Schiffe von Schleppern die Themse hinaufgezogen und das Rennen gewann das Schiff, das als Erstes seine Ladung an Bord geworfen hatte. Mit der Eröffnung des Suezkanals fanden die Rennen jedoch ihr Ende, da diese Überfahrten nun von Dampfschiffen absolviert wurden, die weitaus mehr Fracht transportieren konnten und so um einiges wirtschaftlicher waren als die kleineren Teeklipper.

Der Wandel des Teekonsums im 21. Jahrhundert

Mit steigenden Importmengen und sinkenden Preisen nahm die Popularität von Tee kontinuierlich weiter zu. Während 1851 der Pro-Kopf-Verbrauch noch unter 1 Kilogramm Tee pro Jahr lag, so war er bis 1901 auf 3 Kilogramm jährlich angestiegen. Mit der Erfindung des Teebeutels im 20. Jahrhunderts wurde Tee alltagstauglicher und erlangte so seinen dritten großen Popularitätsschub. Ähnlich dem Trend zum Konsum von besserem Kaffee und qualitativeren Weinen aus nachhaltig bewirtschafteten Flächen, lässt sich auch bei Tee aktuell eine Vorliebe von Teetrinkern zu Bio Tee sowie allgemein zu Tees auf einem höheren Niveau feststellen. Neben dem gestiegenen Interesse an hochwertigem Tee gibt es zwei weitere Trends: In den USA wird 80 % des Tees als Eistees konsumiert, ein Trend der leider über industriell abgefüllte eisteeähnliche Produkte seinen Weg nach Europa gefunden hat und der Bubble-Tea, der in Deutschland gerade seine zweite Welle, diesmal um zu bleiben, erfährt. Doch auch hier geht wie bei losem Tee der Trend stärker zu natürlichen Produkten mit einer höheren Qualität als es zu Beginn der 2010er in der ersten Welle der Fall war. Das nach Wasser am meisten konsumierte Getränk der Welt besitzt eine historische als auch kulturelle Bedeutung, die bisher vergeblich ihresgleichen sucht. Und so können wir gespannt sein, wie sich der Tee weiter seinen Weg durch die Geschichte Bahnen wird.

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